Magister Amerikanistik

Das Studium der Amerikanistik (Magister Haupt- oder Nebenfach) umfasst drei Teilgebiete: Literatur und Kulturgeschichte der USA sowie amerikanistische Linguistik. Im Grundstudium sind die Anteile dieser Bereiche etwa gleichwertig verteilt. Daneben sind sprachpraktische Übungen wahrzunehmen.

Im Hauptstudium des Hauptfaches müssen die Studierenden durch Schwerpunktbildung eine Gewichtung dieser Bereiche vornehmen.

Literatur

Die amerikanistische Literaturwissenschaft versteht sich zum einen als Geschichte der Literatur der USA bzw. der Regionen Nordamerikas, die heute das Gebiet der Vereinigten Staaten ausmachen; zum anderen beschäftigt sie sich mit theoretischen und methodischen Ansätzen in der Literaturkritik. Das Leipziger Institut für Amerikanistik legt dabei ein sehr breites Literaturverständnis zugrunde - zur Diskussion kommen zeitgenössische Texte ebenso wie die mündlichen Überlieferungen der nordamerikanischen Ureinwohner, die kanonisierten “Klassiker” ebenso wie die Literaturen der ethnischen Minderheiten oder Produkte der Populärkultur.

Schwerpunkte in Forschung und Lehre der Leipziger Amerikanistik liegen in der Konzentration auf “race” und gender als zentrale Analysekriterien in der Literaturkritik; in der Beschäftigung mit material culture und Populärkultur sowie in der Untersuchung von Kulturkontakt im literarischen Text.

Studierende der Amerikanistik besuchen im Grundstudium zunächst die obligatorische Übung “Einführung in die Literaturwissenschaft”, in deren Rahmen sie sich einen Überblick über das methodische Instrumentarium der Literaturtheorie verschaffen. Dieser Überblick wird im Laufe des Grundstudiums durch die Teilnahme an der Ringvorlesung “Methoden der Literatur- und Kulturwissenschaft” (Institute für Anglistik und Amerikanistik) ergänzt. Des weiteren sollten Studierende vom Beginn des Studiums an die fortlaufende Überblicksvorlesung zur amerikanischen Literaturgeschichte besuchen. Weiterhin stehen den Studierenden im Grundstudium eine Auswahl an Proseminaren zur Verfügung, die ihnen die Möglichkeit bieten, sich schwerpunktmäßig mit bestimmten Epochen, Genres und Themen der amerikanischen Literatur zu beschäftigen. Im Hauptstudium können sich Studierende dann im Rahmen von Hauptseminaren vertiefend mit ausgewählten thematischen Schwerpunkten beschäftigen.

Linguistik

Die Linguistik bemüht sich als Sprachwissenschaft um synchrone und diachrone Beschreibung der Sprache. Die synchrone Linguistik befasst sich mit dem theoretischen Sprachsystem. Zu diesem Bereich gehören als Kerngebiet die Auseinandersetzung mit verschiedenen Komponenten der Grammatik. Die Phonetik/Phonologie beispielsweise beschreibt das Lautinventar der Sprache und klassifiziert die Laute in abstrakte Einheiten. Die Morphologie beschäftigt sich mit den nächst größeren Einheiten der Sprache. Sie untersucht die interne Struktur von Wörtern und versucht die Regeln zu fassen, nach denen komplexe Wörter gebildet werden. Semantik befasst sich mit der Bedeutung von Wörtern und mit den Relationen, die zwischen den Wörtern des Wortschatzes herrschen. Syntax untersucht schließlich den strukturellen Aufbau von Wörtern und Wortgruppen zu Sätzen sowie die Relationen (Subjekt, Prädikat usw.), die zwischen diesen Wortgruppen bestehen.

In der diachronen Linguistik wird vor allem der historische Entwicklungsprozess der englischen Sprache beleuchtet. Die historische Linguistik bzw. Sprachgeschichte untersucht diese Wandlungen und vermag viele der im heutigen Englisch uns willkürlich und unregelmäßig erscheinende Phänomene, wie z.B. die Aussprache, zu erklären. Die eminent wichtige Funktion von Sprache in der Gesellschaft - in der regionalen und funktionalen Schichtung - wird von der Varietätenlinguistik erforscht. Als wesentliches Mittel der Interaktion kommt Sprache in unterschiedlichen regionalen (Dialektologie) und sozialen (Soziolinguistik) Varianten vor und stellt ein bedeutsames Identitätsmerkmal sowohl für eine Sprachgemeinschaft als auch für ein Individuum dar. Die Pragmatik untersucht z.B., wie Menschen mit sprachlichen Äußerungen Handlungen vollziehen, wie Sprache benutzt wird, um verschiedene Schlussfolgerungen seitens des Hörers zu veranlassen. Die Textlinguistik geht davon aus, dass uns Sprache in der Kommunikation stets in Form von Texten begegnet. Sie untersucht, wie Texte strukturiert sind und wie die unterschiedlichen Vorkommensweisen von ihnen zu Typen zusammengefasst werden können. Schließlich sei noch die didaktisch angewandte Linguistik genannt. In diesem Grenzbereich zur Fremdsprachendidaktik steht die Frage im Mittelpunkt, wie Sprache aufbereitet werden soll, damit sie optimal lehr- und lernbar wird. Unterschiedliche Methoden der fremdsprachlichen Vermittlung führen zu sehr unterschiedlicher Beantwortung dieser Frage.

Kulturgeschichte

Die amerikanische Kulturgeschichte hat das Studium der Geschichte und Kultur der USA einschließlich der kolonialen Ursprünge zum Gegenstand. Das Fach geht von einem umfassenden Kulturbegriff aus, der gleichermaßen materielle Grundlagen, institutionelle Entwicklungen sowie Lebensweisen, Werte, Normen und Mentalitäten umfasst. Dieses interdisziplinäre Selbstverständnis bedingt die umfassende kontextuelle Einbettung kulturgeschichtlicher Prozesse; dementsprechend werden die Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA besonders betont. Ein vorrangiges Ziel ist es, auch gegenwärtige Entwicklungen in der amerikanischen Gesellschaft historisch auszuloten und zu verankern.

Das Fach ist in Leipzig im Aufbau begriffen. Eine propädeutische Übung soll in das wissenschaftliche Arbeiten und die Methoden des Faches einführen. Vorlesungen werden bis auf weiteres als einführende Veranstaltungen in drei wichtigen Themenbereichen angeboten, die allerdings variiert werden sollen:

  • Geschichte (auch Sozial- und Geschlechtergeschichte, Einwanderung, Minderheiten)
  • politisches System (auch Verfassung, Rechtssystem, Manifest Destiny, Expansion)
  • Kultur (auch Religion, Medien, Regionen)

Proseminare dienen einer ersten Spezialisierung der in den Vorlesungen angebotenen Themen, der Einübung des Umgangs mit Spezialliteratur und der Anfertigung von Seminararbeiten.

In Hauptseminaren (die nach der Zwischenprüfung offen stehen) werden vertiefende, interdisziplinäre Fragestellungen verfolgt, die zum Teil eigenständig zu bearbeiten sind und inhaltlich auch zur Examensarbeit hinführen können. In den Seminaren behandelte Themen (das Semesterangebot wird manchmal durch amerikanische Gastprofessoren ergänzt) umfassen zusätzlich zu den schon genannten u.a.: Geschichte der amerikanischen Unabhängigkeit, politische Ideologien, zentrale Institutionen, Frontier und Imperialismus, amerikanischer Süden, Sklaverei, Bürgerkrieg, Reformbewegungen, Sozialpolitik, Minderheiten, Werte und Wertewandel, Geschlechterbeziehungen.

Das Thema “Soziale Integration und Ausgrenzung” soll als umfassender Forschungsschwerpunkt Raum geben für detaillierte Spezialuntersuchungen, so zu Rassismus und Rassenbeziehungen, nationaler Identitätsbildung und Geschlechterkonstruktion sowie zu Integrationsprozessen von Immigranten.