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 Who's In, Who's Out? 

200815Aug
Submitted by Dr. Sebastian M. Herrmann on Fri, 08/15/2008 - 14:02

As the taz reports, approximately 60% of German university students come from what they call "Akademikerfamilien," i.e. families in which at least one parent has an academic degree. They compare that number to 2004's 57% and 1993's 49%.

The numbers are taken from a new study by the Bundesministerium für Bildung und Forschung that generally is very positive in tone (The press release for the study claims that "For the First Time, Students are Satisfied with Higher Education"). The press release cites the minister claiming that further increasing the quality of teaching was the top priority. The only negative aspect the Bundesministerium identifies are the gender gap in the sciences and engineering, and the increasing role of family background in deciding for or against university.

Des weiteren belegen die Ergebnisse der Studie, dass trotz des stabil hohen Anteils studierender Frauen, die Wahl des Studienfachs noch immer traditionellen Bahnen folgt: Nach wie vor gibt es wenige Studentinnen in den MINT-Fächern, also in den mathematischen, informationstechnischen, naturwissenschaftlichen, oder technischen Studiengängen. Eine Ursache dafür ist bereits die Wahl entsprechender Leistungskurse in der gymnasialen Oberstufe, da Leistungsfächer und Studienfach häufig im unmittelbaren Zusammenhang stehen.
In der Studie wurde erneut deutlich, dass sich die "Schere" der sozialen Herkunft beim Hochschulzugang vergrößert hat . Deshalb müssen die Schulen verstärkt dafür sorgen, dass die Chancen zum Erwerb eines höheren Schulabschlusses ausschließlich von der Leistung der Schülerinnen und Schüler und nicht von ihrer sozialen Herkunft abhängig sind. Dazu gehört auch, leistungsstarke Kinder aus bildungsfernen Schichten und deren Eltern beim Zugang zur gymnasialen Oberstufe aktiv zu unterstützen.

Neither the taz nor the underlying survey give any indication as to whether the overall quota of academics has gone up causing the number of students with an academic family background to go up as well. However, the more detailed numbers on how students decide for or against a university education suggest that the parents' educational background is one of the strongest factors. The numbers suggest that children of academically educated parents are almost twice as likely to decide for studying at a university:

Einen gesonderten Einfluss auf den Studienzugang übt die soziale Herkunft der Studierenden aus. Für alle Studierenden zeigt sich ein klarer Zusammenhang mit der beruflichen Qualifikation der Eltern:
  • Bei Abschluss einer Lehre (nach der Hauptschule) seitens der Eltern wird die feste Studienabsicht selten geäußert: zu 30%.
  • Hat ein Elternteil einen Fachschulabschluss bzw. das Abitur erreicht, steigt dieser Anteil auf 42% deutlich an.
  • Aber erst mit dem elterlichen Studium an einer Universität stand für 57% das Studium von vornherein fest.

The full text of the survey is available at www.bmbf.de (pdf), it is a lot of statistics, of course, but quite instructive and entertaining at places, overall a surprisingly light read. And it contains all kinds of interesting statistics, such as the gender distribution of some curricula.

Männerdominierte Fächer
Elektrotechnik (Uni 92%, FH 95%)
Verkehrstechnik (Uni 90%, FH 92%)
Maschinenbau (Uni 86%, FH 82%)
Informatik (Uni 88%, FH 87%)
Physik (Uni 83%)
Wirtschaftsingenieurwesen (Uni 83%, FH 81%)
Bauingenieurwesen (Uni 71%, FH 81%)

Frauendominierte Fächer
Veterinärmedizin (Uni 86%)
Kunstwissenschaft (Uni 82%)
Romanistik (Uni 83%)
Anglistik (Uni 71%)
Psychologie (Uni 77%)
Erziehungswissenschaften (Uni 77%, FH 77%)
Sozialwesen/Sozialarbeit (Uni 76%, FH 76%)
Germanistik (Uni 76%)
Pharmazie (Uni 75%)
Kulturwissenschaften (Uni 72%)

Also quite interesting (and this time contradicting common wisdom), the survey claims that the number of idealists has gone up recently. For students deciding to study, utilitarian motives have become more important, but so have idealistic ones. The survey concludes that these motives seem to be thought of as less contradictory.

Unter den Studierenden hat sich ein gewisser Wandel in der Konstellation ihrer Motive vollzogen. Zwar haben die utilitaristischen Motive zugenommen, aber zugleich, und darin liegt einige Überraschung, haben sich die ideellen Motive des Fachinteresses und der Begabung ebenfalls verstärkt. Offenbar stellen die ideellen und utilitaristischen Motive für mehr und mehr Studierende keine unvereinbare Gegensätzlichkeit mehr dar, sondern sie scheinen ihnen durchaus gemeinsam vertretbar.

This corresponds to the percentage of students that see their university education as a chance to make a positive impact on society.

Erwartungen an den sozialen Nutzen des Studiums, gesellschaftliche Verbesserungen und die Hilfe für andere Menschen, haben ebenfalls zugenommen. Der Anspruch, zur Verbesserung der Gesellschaft beizutragen, hat sich von 26% auf 34% erhöht.
Aufschlussreich erscheint, dass die Zunahme materieller Erwartungen mit der Zunahme sozial-altruistischer Erwartungen einhergeht. Demnach gelten utilitaristische und sozial-altruistische Haltungen für die heutigen Studierenden nicht länger als Gegensatz, sondern als durchaus vereinbar.

On a last, less positive note, the survey states that students' overall living conditions have become more difficult. Sharply increasing since 1993, the number of students calling their own financial situation difficult and straining is now up to 30% (19% in '93). The survey warns against putting this off as 'only' a matter of material living conditions. Quite on the contrary, it threatens the social identity of the students.

Gänzlich anders sieht es bei der aktuellen Studienfinanzierung und bei den Zukunftsaussichten aus.

  • Die aktuelle finanzielle Lage ist für 30% mittlerweile sehr belastend geworden, während sie 1993 nur für 19% so groß war.
  • Ebenso wird die zukünftige finanzielle Lage nach dem Studium weit häufiger von den Studierenden als sehr belastend empfunden: 2007 sind es 24%, 1993 waren es erst 14%, die darüber klagten.

Dieser kontinuierliche Anstieg finanzieller Sorgen der Studierenden, trotz mancher Anhebungen bei BAföG und Stipendien, sollte nicht übergangen, sondern als bedenkliches Signal für ein prekäres Lebensgefühl genommen werden, dem stabile Perspektiven und Identitäten verloren gehen. Insofern ist das größte Problem der deutschen Universitäten und Hochschulen nicht mehr die Anonymität, wie noch in den 60er Jahren, sondern die Anomie unter den Studierenden. Sie kennzeichnet Lebensverhältnisse, in denen eine größere Diskrepanz zwischen erstrebten Zielen und ihrer Erreichbarkeit besteht, nicht zuletzt aufgrund fehlender Mittel oder gesellschaftlicher Hindernisse.

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