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 Kampf mit harten Bandagen: Warum der US Wahlkampf negativer wird  

200811Aug

Der US Wahlkampf ist rauer geworden. Der Republikaner John McCain hat den Demokraten Barack Obama nach dessen Rückkehr aus Europa hart angegriffen. Mit einer Reihe so genannter “attack ads” (negative Werbespots) griff McCain die Popularität seines Gegners an, indem er sie als negative Eigenschaft definierte. So versucht er der Obama Kampagne den Enthusiasmus zu nehmen und seinen Gegner als elitären Popstar zu charakterisieren. In den Werbespots wird Obama mit Britney Spears, Paris Hilton und Moses verglichen—ein weit hergeholter Vergleich, der aber durch seine Absurdität zu wirken scheint. Mit diesen Spots dominierte der Republikaner die Berichterstattung für ca. eine Woche und Obama fand sich nach seiner erfolgreichen Auslandsreise auf einmal in der Defensive wieder. Damit verstößt McCain zwar gegen sein eigenes Versprechen einen sauberen Wahlkampf zu führen, aber die Strategie wirkt. Obama kann sich in den Umfragen nicht absetzen. Er hat nur einen minimalen Vorsprung, obwohl die Amerikaner sich überwiegend für die Demokraten aussprechen und weniger als 1/3 der Bevölkerung der Meinung ist, dass der Republikanische Präsident Bush Jr. einen guten Job macht.

Viele Demokraten sind aufgrund dieser Entwicklung äußerst beunruhigt. Schließlich erinnern sie sich noch allzu gut an den effektiven negativen Wahlkampf, den die Republikaner in den Jahren 2000 und 2004 geführt haben. Deswegen rufen einige den Demokratischen Senator und Präsidentschaftskandidat öffentlich dazu auf hart zurück zu schlagen. So fordert bspw. der Musiker und Aktivist Moby, Obama dazu auf endlich ein „paar Eier zu zerschlagen“.


FIGHT BACK.
we, the rank and file democrats, are tired of being sissies.
we're tired of the high road.
the high road would be great if it didn't lead us to defeat every 2 or 4 years.
the high road would be great if it helped us win.
guess what, it doesn't.
[…]
start breaking some eggs.


Für Obama ist dies allerdings äußerst heikel. Durch negativen Wahlkampf könnte er seine positive Wahlkampfbotschaft untergraben, was ihn unglaubwürdig erscheinen lassen könnte. Um sich gegen die negativen Werbespots zu wehren, hat Obama mit eigenen Spot gekontert. Diese stießen allerdings in der medialen Debatte auf weniger Aufmerksamkeit. Grund dafür ist wohl deren weniger sensationelle Machart. Außerdem hat Obama eine Webseite erstellt deren einziger Zweck es ist falsche Anschuldigungen zurückzuweisen und klarzustellen. Die entscheidende Frage ist, ob das ausreicht oder ob Obama die Samthandschuhe doch besser ausziehen sollte. 

In seinem äußerst lesenswerten Artikel „Why Voters Say they Don't Really Know Barack Obama (and Why They Don't Really Know Much about John McCain, Either)” fasst der Psychologe und Professor Drew Westen das Fundament eines erfolgreichen Wahlkampfs wie folgt zusammen:


[…] as a candidate, you have to focus first and foremost not on a litany of "issues" but on four stories: the story you tell about yourself, the story your opponent is telling about himself, the story your opponent is telling about you, and the story you are telling about your opponent. Candidates who offer compelling stories in all four quadrants of this "message grid" win, and those who leave any of them to chance generally lose.


Barack Obama wäre also gut beraten, sich nicht nur auf politische Inhalte zu konzentrieren. Er muss seine Geschichte überzeugend erzählen und darf sich nicht von seinem Gegner definieren lassen. Gleichzeitig muss er seinen Gegner definieren bevor dieser die Gelegenheit dazu hat. Dabei geht es nicht um 15-Punkte-Pläne zur Rettung der Gesundheitspolitik, sondern um Persönlichkeit und Charakter. McCain ist Obama hier ein paar Schritte voraus, vor allem weil der Republikaner ein größeres Risiko eingehen kann, schließlich liegt Obama vorn. 

Hier noch ein paar der besagten Werbespots: 

McCain's "Celeb" Ad

McCain's "The One" Ad

Obama's "Low Road" Ad

Obama's "Pocket" Ad

Obama's "Original" Ad

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